Linke Bildung, intervenierende Bildung

Mit Bildung die Gesellschaft verändern

Was ist linke Bildung?

Zunächst unterscheidet sich linke Bildung von herkömmlicher Bildung durch das naheliegende: Sie versucht gesellschaftskritische Inhalte zu vermitteln. Es geht um Inhalte, die Formen von sozialer Ungleichheit und Herrschaft analysieren und dabei kenntlich machen, dass diese nicht nur veränderbar sind, sondern auch politisch überwunden werden können. Darüber hinaus wird sich linke Bildung aber auch an ihrem eigenen Anspruch an Emanzipation praktisch messen lassen müssen. Sie ist bemüht, individuelle Lernprozesse, z.B. in Seminaren, Workshops, Kursen oder Trainings, so zu gestalten, dass diese den Eigensinn der Teilnehmenden im Sinne ihrer eigenen Selbstermächtigung befördern. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen. Zuallererst tut sie dies, indem sie den besonderen Lerngründen und Lernanlässen der Teilnehmenden, aber auch ihren Vorstellungswelten und Interessen, einen zentralen Stellenwert bei Bildungsprojekten einräumt. Sie legt Lernprozesse nicht-frontal, sondern partizipativ und an den Teilnehmenden orientiert, vor allem aber auch ergebnisoffen an. Des Weiteren versucht linke Bildung, gesellschaftliche Problematiken ins Seminar hinein zu holen. Denn auch Seminar- oder Unterrichtsgruppen sind etwa von Herrschaftslinien wie race, class oder gender durchzogen – und diese können und sollten zum Gegenstand gemacht werden. Gruppenbildungsprozesse und die sozialen Beziehungen zwischen den Lernenden verfügen neben dem «eigentlichen Thema» in linken Lernkontexten über ein hohes Gewicht. 

Linke Bildung ist zu guter Letzt aber auch immer gesellschaftspolitisch eingreifend angelegt. Sie sieht sich nicht nur als Mittel, innerhalb dieser Gesellschaft beruflich und sozial aufzusteigen. Sie bewegt sich im Spannungsfeld von Bestehendem und Möglichem, soll soziologische Fantasie und Fähigkeiten zu konkreter Utopienbildung fördern. Linke Bildung ist sich bewusst, dass sich auch soziale Gruppen, Klassen und Bündnisse, ja sogar die Gesellschaft selbst, über Bildung ausbilden und entwickeln. Bildung hat organisierende Eigenschaften, indem sie Menschen zusammenbringt. Sie verwickelt die Teilnehmenden in eine Auseinandersetzung miteinander und mit bestimmten Inhalten. Sie schafft auf diese Weise Kultur und gemeinsame Perspektiven und zeigt soziale und politische Handlungsoptionen für Einzelpersonen, aber auch für ganze Gruppen auf.

Um diesem mehrdimensionalen Bildungsbegriff gerecht zu werden, haben wir in diesem Dossier  drei Hauptrubriken geschaffen: Lesen – Selber machen – Mitmachen. Im «Lesen» und «Mitmachen» bilden wir uns selbst und andere und stellen theoretische Bezüge und Orientierungshilfen für die Praxis her, während wir im «Selber machen» Möglichkeiten zur praktischen Intervention durch Bildung versammeln.

Kontakt

Rolle Persondetails
Stellv. Bereichsleiter StudienwerkDr. Marcus Hawel
E-Mail: marcus.hawel@rosalux.org
Telefon: +49 30 44310457
Referent für Kritische Politische BildungDr. Stefan Kalmring
E-Mail: stefan.kalmring@rosalux.org
Telefon: +49 30 44310147
Referentin für Kritische Politische Bildung Julia Lehnhof
E-Mail: julia.lehnhof@rosalux.org
Telefon: +49 30 44310133